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Mainzer Musiksommer – Herzerwärmende Substanz

Von Frank Wittmer

MUSIKSOMMER Abschluss mit dem Arirang-Quintett in St. Stephan

MAINZ – Der Sommer geht seinem Ende entgegen, und so fand auch das letzte Konzert des „Mainzer Musiksommers“ bei bereits herbstlichen Temperaturen statt – trotzdem entschied man sich, draußen im Kreuzgang zu musizieren. Erfreulicherweise: Atmosphäre und Akustik veredelten das Abschlusskonzert, und die dargebotene Musik glich die frische Luft herzerwärmend aus.
Fünf Musiker an fünf verschiedenen Instrumenten boten Werke von fünf Komponisten aus fünf verschiedenen Epochenstufen: Das Arirang-Quintett wusste bestens zu unterhalten – kurzweilig, fröhlich-sommerlich, technisch perfekt. Dem Mainzer Publikum wurde ohrenfällig, wie berechtigt das hohe Renommee der jungen Musiker ist in der klassischen Besetzung Oboe (Jörg Schneider), Klarinette (Steffen Dillner), Horn (Sebastian Schindler), Fagott (Monika Schneider) – dass Tomo Jäckle kurzfristig an der Flöte einspringen musste, tat dem stimmigen Zusammenspiel des Quintetts keinen Abbruch.
Joseph Haydns Divertimento Nr. 1 B-Dur (Hob. II:46) eröffnete den Abend und steht für die schlichte Unterhaltungsmusik des frühklassisch-galanten Stils – ein vergnüglicher Auftakt. Damit korrespondierte der Abschluss vor der Pause, die übermütigen „Trois pièces brèves“ von Jacques Ibert – sozusagen ein Divertimento aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das Kernstück der ersten Konzerthälfte, Quintett As-Dur op. 14 des englischen Spätromantikers Gustav Holst, zeigt parallel den gleichen Aufbau wie das C-Moll-Quintett von Mozart (nach der Serenade KV 388), der unbestreitbare Höhepunkt des Abends: nach Allegro-Eröffnung und langsamem Satz ein kanonisch angelegtes Menuett mit Trio, gefolgt von einem Variationssatz als Finale. Mozarts Werk, ursprünglich für das Bläseroktett von Kaiser Joseph II. geschrieben, sprengt in seiner Ernsthaftigkeit den Unterhaltungscharakter der damals üblichen Serenaden und zeigt substanzreiche Wiener Klassik auf voller Höhe. Die Arirangs gestalteten nächtliche Geisterhaftigkeit und bedeutungsschwangeres Dräuen ebenso packend wie mitreißend.
Mit Astor Piazzolla schloss gehobene Tangomusik vom Ende des 20. Jahrhunderts den Abend. Und das Publikum erklatschte sich noch den ersten der effektvollen „Five Easy Dances“ von Denes Agay als Zugabe.

Allgemeine Zeitung (Rhein Main Presse), 21.08.2014, Mainz


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