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Arirang-Quintett begeistert Nonnenwerth

International gefragte Musiker waren zu Gast beim jüngsten Inselkonzert – Spielzeit wird im März fortgesetzt

rz261113nonnenwerthNonnenwerth. Mit dem musikalischen Kleinod Arirang-Quintett sind die Nonnenwerther Inselkonzerte in die zweite Runde der aktuellen Spielzeit „Ethos, Logos, Pathos – die Kunst der musikalischen Rhetorik“ gegangen. Das international gefragte Ensemble für Kammermusik, das durch die persönlichen Verbindungen zu Konzertorganisatorin Verena Sennekamp verpflichtet werden konnte, stellte das konzertante Intermezzo passend zum Totensonntag und auch dem wenig einladenden Wetter unter die Überschrift „Emotion – Musik sagt das Unsagbare“. Mit Gustav Holsts Bläserquintett As-Dur verstanden es Sakura Kyndinis (Flöte), Jörg Schneider (Oboe), Steffen Dillner (Klarinette), Sebastian Schindler (Horn) und Christoph Knitt (Fagott), direkt mit den ersten Tönen den barocken Kapitelsaal des Klosters Nonnenwerth in einen perfekten Konzertraum zu verwandeln: ruhige, warme, weiche Töne im gefühlvollen und nahezu blinden Zusammenspiel. Wobei die frühe serenadenhafte, fast schon pastorale Komposition einen klaren Gegensatz zum orchestralen Werk „Die Planeten“ darstellt. Besonders auffallend waren die Wechsel in Tempo und Dynamik im vierten Satz bei den Variationen der Air. Lebendig und aufblühend zart intonierten die fünf Instrumentalisten, die zu einem harmonischen Gesamtklangkörper verschmolzen, zudem die Suite op. 57 von Charles Lefebvre. Weit ausladende Melodien, im Wechselspiel der Instrumente immer weiter vorangeführt, die sich im Finale nach Canon und
Allegretto scherzando zu einem Strang verbanden, um schließlich im kraftvollen Forte zu kulminieren. Einen deutlichen, stilistisch wie emotionalen Kontrapunkt setzte das 2002 aus der Jungen Deutschen Philharmonie entstandene Quintett mit der „Music for a deceased friend“ des zeitgenössischen Komponisten Peteris Vasks aus Lettland. In der „Musik für einen verstorbenen Freund“ lässt Vasks den Zuhörer alle Etappen der Trauer von Resignation über Verwirrung bis zur Verleumdung durchleben. Die akustische Umsetzung dafür: freie dissonante Tonfolgen und stakkatohafte Einwürfe, die eine bleierne Schwere mit wirrer Unruhe und Zerrissenheit erzeugen. Untermalt wird das Ganze mit gesummten Melodien, gleich einem Totengesang. Freudig und elegant, nahezu höfisch aufrecht verstand es das Arirang-Quintett, mit dem Adagio und Allegro f-moll von Wolfgang Amadeus Mozart den Hörgenuss für die 70 Konzertbesucher fortzuführen. Beide Sätze, die eigentlich für eine Orgelwalze, also den  Vorläufer der „Musikbox“ komponiert wurden, stimmten nach Vasks auf den zweiten Konzerthöhepunkt, das Bläserquintett g-Moll des französischen Komponisten Claude-Paul Taffanel, ein. „Dieses romantische Werk von einem der größten Flötisten
seiner Zeit gehört zu den Klassikern der Bläserquintette“, erklärte Oboist Jörg Schneider, der musikalische Leiter des Quintetts, der zudem als Conférencier durch das Konzert führte. Mehr als verdient war der Beifall nicht nur für das perfekte Zusammenspiel, die zurückhaltende Spielweise der fünf Instrumentalisten und die musikalische Dramaturgie, sondern auch für einen überaus angenehmen Hörgenuss im klösterlichen Ambiente auf der Insel Nonnenwerth.

Andreas Wetzlar
Rhein-Zeitung Nr. 274 . Dienstag, 26. November 2013


1 comment

  • Reply → Georg Westerholz said 2 years ago

    Liebes Arirang-Quintett,

    gerade bin ich auf der Suche nach dem Namen eines baltischen Komponisten (aber nicht Vasks), da stosse ich auf ein zurueckliegendes Konzert in 2013, das Sie auf der Insel Nonnenwerth gegeben haben (u.a. mit einem Stueck von Vasks). Zwischen einer kurzen Pause beim Plaetzchenbacken, ein Blech ist im Ofen und mehr kann ich im Moment nicht tun, kommen mir da zwei Erinnerungen hoch. Eine ganz lebhaft und noch frisch. Eine aus den Tiefen meiner Kindheit.

    Wir haben uns im Juli kennengelernt. Da sind Sie beim Festival “music & beyond” in einer Kirche in Ottawa aufgetreten. Und ich war Volontaer fuer die Veranstalter. Es war eine kurze, fuer mich sehr schoene und spannende Begegnung. Das ist die frische Erinnerung.

    Die aus der Kindheit haengt mit Nonnenwerth zusammen. Zwischen 1957 und 1959 habe ich naemlich dort meine Sommer-Schulferien verbracht. Und 1959/60 auch die Weihnachtsferien. Danach durfte ich nicht mehr, weil die Nonnen in Sorge um ihre Schuelerinnen waren. Ich waere 14 Jahre alt gewesen im Sommer 1960.

    Damals war Nonnenwerth u.a. ein Maedcheninternat mit Gymnasium. Es gab eine Ausbildungsmoeglichkeit fuer junge Waisenmaedchen. Und es gab das Maennerheim. Da wohnten die Handwerker fuer das Kloster. Und ich war dort in meiner Zeit Messdiener.

    So weit das auch fort ist. Ich habe eine gute Erinnerung daran und die wird gerade aufgefrisch. Vor wenigen Jahren, im Herbst 2010, war ich noch mal dort. Gemeinsam mit meiner Zwillingsschwester, due auch zweimal mit mir auf der Insel war in den Sommern.

    Lange Rede, kurze Frage. Es gibt einen zeitgenoessischen Komponisten in den baltischen Staaten, dessen Namen ich gerade verzweifelt suche. Mit Vornamen heisst er vermutlich Georgi oder Grigori. Doch dann versagt mein Gedaechtnis. Die “kremerata baltika” hatte vor Jahren einen Auftritt in der Wuppertaler Stadthalle. Da spielten sie ein Stueck dieses Komponisten zu “800 Jahre Riga”. Haben Sie eine Ahnung, wie dieser Komponist heissen koennte? Das Internet versagt mir diesmal den Dienst.

    Herzliche Gruesse aus Kanada und weiter viel Erfolg. Und wenn Sie etwas wissen, kommt auch noch ein Denkeschoen hinzu.

    Georg Westerholz

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